Otovowen
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Weber-Weber biologische Arzneimittel
Mittelohrentzündung Antibiotika

Antibiotika richtig einsetzen

Wenn ein Kind krank ist, leiden die Eltern mit. Sechs bis acht Infektionen beim Kind pro Jahr gelten als normal. Die meisten Erkältungskrankheiten gehen mit viel Zuwendung und Liebe, Ruhe und Hausmitteln ohne Komplikationen vorüber. Zu den häufigsten entzündlichen Erkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter gehört die akute Mittelohrentzündung (akute Otitis media).

Gleichzeitig ist die Mittelohrentzündung der dritthäufigste Grund für den Einsatz von Antibiotika in diesem Alter, obwohl bis zu 93 % der akuten Otitiden durch Viren verursacht werden. Bei der Entscheidung, ob zunächst eine abwartende, beobachtende Therapie (Wait and see) oder eine sofortige antibiotische Therapie sinnvoll ist, spielen das Alter des Kindes und die Ausprägung der Symptome eine wesentliche Rolle.

Bei folgenden Kindergruppen halten Ärzte eine antibiotische Therapie für erforderlich:

  • Kinder jünger als sechs Monate.
  • Kinder unter zwei Jahren mit beidseitiger akuter Mittelohrentzündung.
  • Kinder mit spezifischen Risikofaktoren wie Down-Syndrom oder einem angeborenen oder erworbenen Immundefekt (Immundefizienz).

Der Begriff „Antibiotikum“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „gegen das Leben“, das heißt, Antibiotika sind gegen einzellige lebensfähige Organismen gerichtet, wie es die Bakterien sind. Grundsätzlich wirken Antibiotika nur gegen Bakterien, gegen Viren können sie nichts ausrichten. Deshalb ist nicht bei jeder Infektion ein Antibiotikum sinnvoll. Als Antibiotikum der ersten Wahl bei einer akuten bakteriellen Mittelohrentzündung gilt Amoxicillin.

Warum Antibiotika gegen Viren machtlos sind

In den menschlichen Körper können sowohl Bakterien als auch Viren eindringen. Beide können krank machen, allerdings auf verschiedenen Wegen. Auch die medizinische Therapie gegen Bakterien und Viren unterscheidet sich.

Bakterien sind einzellige Lebewesen und größer als Viren. Bakterien verfügen über einen eigenen Stoffwechsel und können sich selbst durch Zellteilung vermehren. Antibiotika töten mehr oder weniger gezielt die Bakterien direkt ab oder verhindern deren Vermehrung, indem sie in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen.
Das ist eine wichtige Unterscheidung zu Viren. Viren sind keine eigenen Lebewesen und haben somit keinen eigenen Stoffwechsel, der den Antibiotika eine Angriffsfläche bieten könnte. Viren benötigen stattdessen einen Wirt (Mensch oder Tier) und befallen fremde Zellen, die sie überaus schnell zur Reproduktion neuer Viren zwingen.

Gegen manche Viren, wie zum Beispiel Herpesviren, gibt es spezielle Medikamente, die die Vervielfältigung von diesen speziellen Viren hemmen können (Virustatika).

Gezielter Einsatz von Antibiotika

Im Normalfall müssen Antibiotika über fünf und zehn Tage eingenommen werden. Wenn Ihnen oder Ihrem Kind das Medikament verschrieben wurde, dann befolgen Sie bitte stets die Einnahmeanweisungen: Unregelmäßige Gaben oder vorschnelles Absetzen von Antibiotika können dazu führen, dass die Bakterien überleben – und Resistenzen aufbauen!

Erkältungskrankheiten und Ohreninfekte meist viral bedingt

Seitdem Antibiotika entdeckt wurden, sind sie eine lebenswichtige Waffe gegen zahlreiche schwerwiegende bakterielle Infektionskrankheiten, wie Lungenentzündungen (Pneumonie), Scharlach oder Tuberkulose.

Erkältungskrankheiten wie Halsschmerzen, Schnupfen, Husten oder Grippe (Influenza) und auch Mittelohrentzündung werden in den meisten Fällen durch Viren hervorgerufen.

Nebenwirkungen von Antibiotika

Antibiotika sind also bei den virusbedingten Infekten nicht sinnvoll, vielmehr belasten sie unnötig den Organismus. Denn Antibiotika haben mehr Einfluss auf die Darmgesundheit und das Immunsystem, als man sich bis vor kurzem noch vorgestellt hat. Sie machen zwar, wie oben beschrieben, Bakterien im Körper unschädlich. Leider erwischt es dabei oft nicht nur die Keime, die krank machen, sondern auch viele gute und wichtige Bakterien, die unter anderem für die Verdauung und das Immunsystem des Darms verantwortlich sind. Einige Kinder können dann in der Folge immer wieder krank werden, weil ihr Abwehrsystem geschwächt ist.

Mögliche Folgen einer Antibiotikatherapie sind außerdem Durchfall (Antibiotika-Assoziierte Diarrhoe), weicher Stuhl und Übelkeit oder Hautausschläge (Exantheme) sowie Pilzinfektionen.

Bei den kleinen Patienten haben Antibiotika besonders weitreichende Konsequenzen, weil bei ihnen in den ersten zwei bis drei Lebensjahren die wertvolle, lebenslange Basis für ihr Immunsystem im Darm gelegt wird. Immerhin befinden sich 80% unseres Immunsystems im Darm.